Veranstaltung am 26.02.2026 – Fabrik-Aktion und die Frauen in der Rosenstraße
Die jährliche Veranstaltung fand am Donnerstag, 26. Februar 2026, um 16 Uhr statt und erinnerte an die Opfer nationalsozialistischen Verfolgung sowie an die Proteste in der Rosenstraße.
Es begann mit einem Stillen Gedenken am Mahnmal Große Hamburger Straße, Berlin-Mitte.
Zur Geschichte:
Am 27. Februar 1943 begann die (später so benannte) Fabrik-Aktion – drittgrößte Razzia in Hitlerdeutschland. Ihr Ziel war es, mit der sogenannten Endlösung alle jüdischen Menschen aus Deutschland und ganz Europa umzubringen. Bei der Fabrikaktion wurden jüdische Menschen, die alle ab dem 14. Lebensjahr Zwangsarbeit in Rüstungsbetrieben leisten mussten, verhaftet und mit barbarischen Mitteln in Sammellager gebracht. Eines davon befand sich in der Großen Hamburger Straße im ehemaligen jüdischen Altersheim und ein weiteres in dessen Nähe in der Rosenstraße, im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde. Doch ihre „arischen“ Angehörigen gaben sich damit nicht zufrieden. Vor dem Gebäude in der Rosenstraße versammelten sich ihre „arischen“ Angehörigen, die die Freilassung ihrer Familienangehörigen forderten. Es waren hauptsächlich Frauen, die den Mut aufbrachten, sich öffentlich gegen das Hitlerregime mit diesem stillen Protest zu widersetzen und das mit Erfolg: die jüdischen Angehörigen wurden nach einigen Tagen Anfang März 1943 freigelassen.
Aus diesem Anlass treffen sich seit einigen Jahren Menschen aus unterschiedlichen Zusammenhängen, um den Frauen, ihren Mut und Standhaftigkeit zu gedenken. Dazu eingeladen hat erneut der Initiativkreis Rosenstraße und die Ständige Konferenz der NS-Gedenkorte im Berliner Raum. Diesmal stand die Zusammenkunft unter dem Motto „Mut zur Menschlichkeit- Rosenstraße 1943 und die Notwendigkeit, heute gegen neuen Hass aufzustehen.“ Zu Beginn trug Kantor Simon Zkorenblut von der Jüdischen Gemeinde Berlin am Mahnmal in der Großen Hamburger Straße das „El Male Rachamim“, vor. Errichtet wurde das Mahnmal zum Gedenken an die jüdischen Opfer des Faschismus von Will Lammert und vollendet von seinem Sohn Mark Lammert. Danach sprach Rabbiner Yithak Ehrenberg das Kaddisch. Der sich anschließende Gang führte zur Rosenstraße. Am „Block der Frauen“, der von der Bildhauerin Ingeborg Hunzinger errichteten Skulpturengruppe, wurden auf unterschiedliche Art und Weise die Frauen gewürdigt und eine Verbindung zur Gegenwart hergestellt. Nach der Eröffnung von Dr. Astrid Ley, Vorsitzende der Ständigen Konferenz 2026 der NS Gedenkorte und Leiterin der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, sprachen
Cerstin Richter-Kotowski. Staatssekretärin für Kultur der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt
Dr. Moshe Abraham Offenberg von der israelitischen Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin
Marion Gardei, Kübra Dalkillic und Esther Hirsch gestalteten einen trialogischen Austausch und Esther Hirsch führte einen hebräischen Gebetsgesang auf. Rabbinerin Gesa Ederberg sprach das Kaddisch.
Die Redebeiträge wurden musikalisch umrahmt vom Chor des Jüdischen Gymnasiums Moses Mendelssohn. Abschluss fand die Gedenkveranstaltung mit vielen weißen Rosen der Teilnehmer*innen, die am Denkmal niedergelegt wurden.
Am Abend zuvor, dem 25.2., bestand die Möglichkeit, im ACUDkino den Dokfilm „Rosenstraße-wo Frauen widerstanden, Berlin 1943“anzuschauen und mit der Regisseurin Daniela Schmidt-Langels, der Schriftstellerin Julia Franck und Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, über den Film ins Gespräch zu kommen. Ebenso wurde die beeindruckende Persönlichkeit Ingeborg Hunzinger gewürdigt.
Vor 2 Jahren im August wurde die Skulpturengruppe „Der Block der Frauen“ antisemitisch beschmiert; eine Informations-und Gedenktafel in der Großen Hamburger Straße wurde im Februar diesen Jahres ein paar Tage vor der Veranstaltung zur Erinnerung an die Fabrik-Aktion und Würdigung der couragierten Frauen zerstört. Das Erinnern an die Fabrik-Aktion und den Rosenstraßenprotest ist Teil des Widerstandes gegen Rassismus, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit.
Weiterführende Literatur: Gernot Jochheim, Johannes Rösler: Die Rosenstraße Gestern/Heute. Alexander Plaza Berlin, 1997
Dr. Hella Hertzfeldt für die ÜPFI
Der Kranz der ÜPFI e.V. am 26.02.2026
