„Was ist Leistung?“ — 20 Jahre Überparteiliche Fraueninitiative Berlin – Stadt der Frauen e.V.

Ergebnisse des Kongresses:

Zu dem o.a. Kongress hatte die Überparteiliche Fraueninitiative Berlin (ÜPFI) – Stadt der Frauen e.V. eingeladen.

Der Kongress wurde gefördert durch die Bundeszentrale für Politische Bildung sowie durch die Senatsverwaltung Arbeit, Integration und Frauen Berlin, Teilnehmerinnenbeiträge und die Eigenmittel des Vereins und die ehrenamtliche Arbeit der Vorstandsmitglieder der Überparteilichen Fraueninitiative.

Zielsetzung des Kongresses war es, den Diskussionsstand der gesellschaftlichen Fragen aufzuzeigen und gemeinsam zu überlegen, was sich ändern muss, um mehr Frauen für ein politisches Engagement für Änderungen im Sinne einer gender- und familiengerechten Lebens- und Arbeitswelt zu gewinnen.

Dazu dienten nachstehende Fragestellungen:

Was unter Leistung verstanden wird und wie die Erbringung von Leistung in der Gesellschaft verteilt ist?

Wie ist bezahlte und unbezahlte – ökonomisch und gesellschaftlich relevante – Arbeit zwischen den Geschlechtern verteilt?

Wie werden ehrenamtliche Leistungen gewürdigt und verteilt (den Männern die Ehre, den Frauen die Arbeit)?

Wie sieht die gesamtgesellschaftliche Kosten- / Nutzenrechnung der praktizierten Arbeitsteilung aus? Wie kommen wir zu einer gender- und familiengerechten Work-Life-Balance?

Die zusammenfassende Auswertung des Kongresses ergab:

Vorbemerkung:

• An der Pressekonferenz und der Eröffnung der Ausstellung nahmen Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung und Ralf Wieland der Präsident des Abgeordnetenhauses Berlin und wenige Vertreter der Presse teil.

• Der Kongress war theoretisch ausgebucht, aber es kamen nicht alle angemeldeten Frauen. Es gab eine breite und interessante Diskussion zu den aufgeworfenen Fragen. Es hat die Frauengenerationen zusammengebracht, die noch nicht miteinander ins Gespräch gekommen waren.

Wir haben viel über die gesellschaftlichen Zusammenhänge zwischen Leistung, Geld und Bewertung von Leistung, aus der Sicht von Wissenschaft, Politik und Philosophie gelernt. Alle Referate und Podiumsbeiträge wurden in der Gesamtdokumentation des Kongresses veröffentlicht (siehe unten). Hier sollen nun die ersten Ergebnisse des Kongresses dargestellt werden.

1. Es gibt großes Interesse und auch Bereitschaft zu einer gemeinsamen überparteilichen Tagung zum Thema „Bewertung von Arbeit und Arbeitszeit, inklusive der Stichworte „Work-Life-Balance“ und „Wachsender prekärer Arbeitsmarkt, auch für Hochqualifizierte,“ beides Themen von hoher Gender-Relevanz.

2. Wir brauchen eine intensivierte Genderforschung im Bereich der Bewertung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Besonders einprägsam hier das sinngemäße Zitat von Prof. Friederike Maier: „Und das bedeutet, dass wir in Deutschland alles über Mastschweine wissen, und nichts über die (unentgeltliche) Hausarbeit.“ Und weiter: „Was bedeutet das für eine Gesellschaft, wenn alle erwerbstätig sein müssen? Gewähren wir den Menschen noch Zeit für Ihre Familien?“

3. Wir freuen uns über das rege Interesse an unserer Ausstellung über „20 Jahre Überparteiliche Fraueninitiative Berlin“ als einem Beispiel für das Wirken von frauenpolitischen Netzwerken. Wir können Ihnen mitteilen, dass die Ausstellung im März als Wanderausstellung im Bezirk Marzahn-Hellersdorf gezeigt wurde und am 11.4.12 wurde sie im Rahmen der 4. Frauenkonferenz in der Alice Salomon Hochschule Berlin gezeigt, vielleicht auch in weiteren Bezirken.

4. Wir halten fest: es braucht mehr Zusammenarbeit der Frauen-Generationen: wir werden eng in Kontakt bleiben mit Vertreterinnen der jungen internet-affinen Frauen-Generation wie z.B. mit Magda Albrecht von der „Mädchenmannschaft“ und anderen jungen Frauen aus dieser Internet-Generation. Wir haben gelernt: die junge Frauengeneration lebt politisch bewusst, aber sie arbeitet auf andere Weise politisch als die älteren Frauengenerationen. Wir wollen und wir werden voneinander lernen.

5. Die Bedeutung von Überparteilichkeit als politischem Instrument nimmt zu, sie wird von Frauen auch stärker gewünscht als früher. Das ist auch nötig angesichts der Themen, die nur überparteilich anzugehen sind: hier einige Beispiele

• Work-Life-Balance und neue Arbeitszeitmodelle,

• eine Einkommensstruktur, die endlich auch die in den Frauenarbeitsmärkten erbrachten Leistungen angemessen würdigt,

• langfristig der Bau einer Sozialgesellschaft, die genügend Zeit für Familie gewährt und in der gesellschaftliche Arbeit belohnt wird.

6. Ein großes zukünftiges Ziel der Frauenbewegung(en) ist die Aufwertung der Arbeitsmärkte, die mit dem Menschen arbeiten (Pflege, Gesundheit, Bildung) im Vergleich zu den wesentlich besser gestellten Tätigkeiten mit der Maschine („Neue Soziale Frage“). Eine überparteiliche Zusammenarbeit sollte hier nach Bündnisthemen und Bündnispartnern suchen, denen die Aufwertung dieser Arbeitsmärkte ebenfalls wichtig ist.

7. Wo wir als ÜPFI ernsthaft dran bleiben werden:

• Beim großen Bildungs-Thema „Deutscher Qualifikations-Rahmen (DQR)“, das insbesondere für die Bewertung von non formal und informell erworbenen Kenntnissen enorme Bedeutung hat (vor allem für Frauen),

• Wir werden nicht locker lassen bei der Bekämpfung der Obdachlosigkeit von Frauen und bedanken uns schon jetzt bei allen Abgeordneten des Berliner Parlaments, die sich hier einsetzen.

8. Zu kurz gekommen ist bei unserem Kongress – wie wir selbstkritisch feststellen müssen – die Bewertung und Würdigung von unbezahlter ehrenamtlicher Arbeit in Gesellschaft und Familie. Wir versprechen: wir werden dieses Thema nicht aus dem Auge lassen.

Tagungskonzept, Inhalte, Referentinnen, Teilnehmerinnen

Das Tagungskonzept, seine Inhalte und die Auswahl der Referentinnen wurden von den TeilnehmerInnen einhellig gelobt.

Einige Aussagen und Ausführungen dazu:

• Wir wurden als wichtiges politisches Netzwerk in der Zivilgesellschaft hervorgehoben, das sich zentralen Zielen der politischen Bildung widmet.

• Was ist „Leistung“? Kaum ein anderer Begriff hat uns seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts so sehr geprägt. Leistungsdenken und das Streben nach Wachstum im gewinnmaximierenden Sinne haben in den westlichen Gesellschaften ein hohes Wohlstandsniveau hervorgebracht – aber gleichzeitig sprechen wir auch von den ‚Verlierern der Leistungsgesellschaft‘. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise sollten wir über Leistung neu nachdenken.

• Die überparteiliche Atmosphäre, eine in der ÜPFI entwickelte Tradition, trug ebenfalls dazu bei.

Die Auswahl der Referentinnen für die Podien hat das breite Spektrum der Tagung deutlich werden lassen. Insgesamt wurde die Mischung von Referaten und den beiden Podiumsgesprächen mit interessanten TeilnehmerInnen aus Politik, Wissenschaft, mit verschiedenen Frauengenerationen und verschiedenen Frauenverbänden als gelungen betrachtet.

• Die Ausstellung „20. Jahre Überparteiliche Fraueninitiative Berlin e.V.“ von Kerstin Wietusch wurde intensiv wahrgenommen. Der für den Kongress erstellte Stick mit der Ausstellung, der Interviews der Zeitzeuginnen der ersten Stunden des Vereins und mit weiteren Beiträgen wurde von den Teilnehmerinnen als eine wichtige Ergänzung zum Kongress gesehen.

• Der Auftritt der Vortrags-Künstlerinnen Frauke und Gina Pietsch wurde von allen Teilnehmerinnen gewürdigt.

Tenor der KongressteilnehmerInnen war:

Die Veranstalterinnen haben mit diesem Kongress ein relevantes Thema in der Stadt und in der Bundesrepublik weitergebracht und erreicht, dass ein weiterer Kongress (2015) gemeinsam vorbereitet wird.

Christel Wietusch

Vorträge einzeln

Ralf Wieland             Thomas Krüger                 Prof. Friederike Maier

Prof. Christine von Braun

Dilek Kolat                Mechtild Jansen                 Magda Albrecht

Impressionen vom Kongress

von Dagmar Stratenschulte

Dokumentation

Diskussionen und Vorträge

von Pia Kaiser

Ausstellung „20.Jahre Überparteiliche Fraueninitiative Berlin“

von Kerstin Wietusch

Weitere Dokumente, die sich in der Kongressmappe befanden und hochgeladen werden können:

von Judith Brandner

von Uta Denzien-von Broich-Oppert

  • Positionspapier der Überparteilichen Fraueninitiative Berlin zum Deutschen                            Qualifikationsrahmen (DQR)

von  Uta Denzien-von Broich-Oppert

von Kerstin Wietusch

 

 

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