Bericht vom 7. Feministischen Salon in Kooperation mit dem Harriet Taylor Mill-Institut der HWR Berlin
Bericht vom 7. Feministischen Salon in
Kooperation mit dem Harriet Taylor Mill-Institut
der HWR Berlin
Am 21. August fand unser nunmehr 7. Feministischer Salon statt.
Mit dem Titel Die EU Entgeltrichtlinie – ein Game Changer gegen Entgeltdiskriminie-
rung! führte uns Prof.in Dr.in Heide Pfarr, juristische Expertin für Gleichstellung, in das
Thema ein. Als Mitglied der Expert:innenkommission Bürokratiearme Umsetzung der
Entgelttransparenzrichtlinie (im Auftrag des BMBFSFJ: 17.07.2025 – 07.11.2025 / Ab-
schlussbericht) verfügt sie über detailreiche Kenntnisse zum Umsetzungsprozess.
Die Europäische Entgelttransparenzrichtlinie ist 2023 verabschiedet worden. Sie hat
den Mitgliedstaaten drei Jahre Zeit gegeben, die Vorgaben der Richtlinie in nationales
Recht zu übertragen. Die Bundesregierung hat die Frist verstreichen lassen und bis
heute kein neues Gesetz vorgelegt. Die Frist zur Umsetzung endete am 7.06.2026.
Das bundesdeutsche Entgelttransparenzgesetz von 2017 blieb bis heute weitgehend
wirkungslos, und der Anspruch von Frauen auf Equal Pay konnte in den letzten Jahren
kaum durchgesetzt werden. Und so müssen Kläger:innen den individuellen Klage-
weg mit Verweis auf die EU-Richtlinie einschlagen, um ihren Anspruch auf gleiche
Entlohnung geltend zu machen.1
Als wirklich neue Qualität in der Auseinandersetzung um Entgeltgleichheit bezeichnet
Heide Pfarr die Verpflichtung aller Unternehmen (mit mehr als 100 Beschäftigten),
eine Analyse der Lohn- und Beschäftigungsstruktur zu erstellen und Maßnah-
men zum Abbau der Diskriminierung zu ergreifen, ohne dass einzelne Beschäftigte
klagen müssen.
Das mangelnde Engagement der Bundesregierung an einer Umsetzung in deutsches
Recht erklärt Heide Pfarr mit der Orientierung an Arbeitgeberinteressen. Um jetzt wei-
ter zu kommen, müssten betroffene Frauen und Personalräte / Betriebsräte im öffent-
lichen Dienst gefunden werden, die die rechtliche Geltung auch in Deutschland vorantreiben.
1Die Tatsache, dass in 25 Jahren nur 120 (vorwiegend Männer) diese Möglichkeit nutzten, weist auf die hohen Hürden hin, die dieser Weg mit sich bringt.
