Wie soll es weiter gehen

Von den Themen mit grundlegender politischer und struktureller Bedeutung, mit denen sich die Überparteiliche Fraueninitiative seit ihrer Gründung auseinandergesetzt hat, ist keines abgeschlossen.

Der Kampf für Frauen- und Menschenrechte und gegen Rassismus und Sexismus hat nichts von seiner Dringlichkeit verloren, vor allem dann nicht, wenn unser politisches Engagement nach wie vor nicht nur auf unser eigenes Land bezogen wird.

Gender Mainstreaming und Gender Budgeting sind noch lange keine Selbstläufer, sondern müssen eingefordert werden. Nicht zuletzt dafür bleiben Frauenprojekte und Fraueninfrastruktur unersetzbar. Die Diskussionen um die Zukunft der Arbeit, um menschenwürdige Entlohnung und Grundsicherung, um die Systeme der sozialen Sicherung insgesamt unter den Bedingungen des demografischen Wandels werden an Schärfe zunehmen. Ein gelingender interreligiöser und interkultureller Dialog wird an gesellschaftlicher Bedeutung zunehmen.

Und die Aufgabe, gesellschaftspolitische Forderungen zu erarbeiten, sie den Repräsentantinnen und Repräsentanten demokratischer Parteien zu stellen, für Wahlen zu motivieren, die Einlösung von Wahlversprechen zu überwachen gehört zu den Grundlagen für eine demokratische Zivilgesellschaft mündiger Bürgerinnen und Bürger.

Die wichtigen Themen werden uns also nicht ausgehen, und die alten Themen werden weitgehend auch die neuen in den kommenden Jahren unserer Arbeit sein.

Entscheidend ist eher, wie die Themen umgesetzt werden. Jeweils neu zu überlegen und abzuwägen bleibt, welche inhaltlichen Akzente in diesen großen Themenbereichen gesetzt, in welcher Form sie angeboten werden. Einige inhaltliche Akzentuierungen zeichnen sich schon ab.

• Der parlamentarische Dialog gewinnt in einer sich relativ schnell ändernden Parteienlandschaft eine besondere Bedeutung. Generell wäre ein Blick auf die Zukunft der Parteienlandschaft unter Gender politischen Aspekten dringlich.

• Die jüngeren Generationen müssen flexiblere Entwürfe und Wege für Ausbildung und Arbeitsleben und ihre Verknüpfung mit Partner- und Elternschaft finden. Das alte, starre, aber einen sicheren Rahmen und Planbarkeit vermittelnde Muster „Еine Ausbildung – ein Beruf – Arbeitszeit (oder Familienzeit) – Rente/Alterssicherung“ existiert nicht mehr. Die Vorstellungen von jüngeren Frauen, wie sie mit diesem Wandel der Arbeitswelt umgehen wollen, was sie leisten und erreichen wollen, was für sie eine gute Life-Work-Balance wäre, welche Wünsche sie an ein gut gelingendes Leben haben, sollten mehr Raum erhalten. Einige dieser Fragen werden auch Gegenstand des Kongresses zum zwanzigjährigen Bestehen der Überparteilichen sein.

• Anders als die angelsächsischen Staaten haben wir keine lange Tradition der krassen Gegensätze von Arm und Reich. Aber auch bei uns geht die Schere zwischen Arm und Reich ständig auseinander, und es zeichnet sich schon ab, dass einem hohen Prozentsatz der jetzt arbeitenden Frauen die Altersarmut droht. Damit erhalten einerseits alle damit zusammenhängenden Fragen einer Gender orientierten Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik und einer Politik des Systems der sozialen Sicherung insgesamt neue Dringlichkeit.

• Anderseits kommen Fragen in den Vordergrund, wie der wachsenden Entsolidarisierung innerhalb der Gesellschaft begegnet werden kann. Wenn man der Sinus-Jugendstudie „Wie ticken Jugendliche 2012?“ folgt, so grenzen sich schon 14- bis 17-Jährige aus der Mittelschicht deutlich von Jugendlichen aus prekären Verhältnissen ab, und diese spüren die Entsolidarisierung.

Was sich in eigenen und in Kooperationsveranstaltungen bewährt hat, ist die exzellente Aufarbeitung des jeweiligen Themas, seine Einordnung in größere Zusammenhänge, seine praxisorientierte Detail-genauigkeit in Kombination mit der Aufbereitung und Rückkoppelung der Ergebnisse in den Raum politischen Handelns (und das bei guter Kenntnis dieses Raumes).

Es scheint, dass in einer Zeit, in der wir wie nie zuvor unbegrenzten Zugriff auf nebeneinander stehende Fakten, Theorien, Meinungen haben und mit Informationen und Wissensbrocken gleichsam überflutet werden, etwas besonders kostbar wird:

Zeit und Gelegenheit zum übergreifenden, respektvollen, engagierten Diskurs mit dem Ziel, uns gemeinsam inhaltliche Positionen zu erarbeiten, sie einzuordnen und für politisches Handeln aufzubereiten. Diesen Diskurs möchten wir auch in den kommenden Jahren weiter führen.
 

Wenn Sie sich beteiligen wollen an der Arbeit der Überparteilichen Fraueninitiative, so sind Sie herzlich eingeladen. Wir freuen uns auf die Diskussion mit Ihnen und über alle sachkundige Unterstützung. Siehe Kontakt:

 

Comments are closed.